Das Wildsauseo

Das Wildsauseo ist die einzige noch lebende Art der Untergattung Sus seo innerhalb der Familie der Echten Schweine. Sein lateinischer Name lautet sus seo scrofa, was soviel wie „sehendes Mutterschwein“ bedeutet. Das Wildsauseo ist ein Paarhufer und galt in Deutschland lange Zeit als ausgestorben.

Wildsauseo im Wald
Wildsauseos können Größen von bis zu vier Metern Kopf-Rumpf-Länge erreichen. Besonders gut erkennbar ist das gelblich-bräunliche Fell.

 

Aussehen

Äußerlich ähnelt das Wildsauseo seinem nächsten Verwandten, dem Wildschwein, sehr stark. Doch gibt es auch hier deutliche Unterschiede.

Am auffälligsten wäre hier der Größenunterschied. So werden weibliche Tiere (Bachen) knapp über drei Meter lang. Keiler, die männlichen Exemplare, werden mit bis zu vier Metern Kopf-Rumpf-Länge nochmal deutlich größer. Ihr Gewicht variiert je nach Jahreszeit. Im Mittel wiegen Bachen 250 kg und Keller 350 kg. Es wurden jedoch auch deutlich größere und schwerere Tiere bestätigt. Diese kommen jedoch sehr selten und nur in kälteren Regionen des Verbreitungsgebiets der Wildsauseos vor.
Trotz dieser enormen Größe wirkt ein Wildsauseo, wenn man es seitlich betrachtet, kompakt und kräftig. Die kurzen, schlanken Beine wirken etwas deplatziert an so einem massigen Tier, sind jedoch tatsächlich ebenfalls stark bemuskelt und erlauben dem Wildsauseo schnelle Sprints und ausdauernde Läufe durch sein Territorium.

Der keilförmige Kopf mit den kleinen Ohren wirkt etwas zu groß für den Körper. Vor allem im Winter, wenn das Winterfell den Hals vollkommen verdeckt, wird der Anschein erweckt, Wildsauseo hätten gar keinen.

Die Form der Schnauze ist bei den Geschlechtern leicht verschieden. Bei Bachen ist sie länger und gerade, bei Keilern eher kurz.

Das Fell der Wildsauseos ist gelb-bräunlich. Besonders kräftig ist das Gelb an den zottigen Borsten, die die Ohren umgeben, und am Rückenkamm erkennbar. Dieser kann von den Tieren aufgestellt werden, wodurch sich das Gelb nochmals stärker vom restlichen Körper abhebt.

Je nach Jahreszeit variiert die Fellfarbe leicht. In den kalten Monaten, während das Wildsauseo sein Winterfell trägt, ist sein Fell eher braun. Es unterteilt sich in feine Unterwolle, die das Tier auch bei extrem niedrigen Temperaturen durch dazwischen eingeschlossene Luft, warm halten kann, und in sehr lange Borsten, sogenannten Deckhaaren. Bis auf Teile des Gesichts und im Bereich der Füße bedeckt die Unterwolle den gesamten Körper des Wildsauseos. Die Aufgabe des Deckhaars ist, das Tier vor Verletzungen zu schützen, die durch dornige Büsche oder dichtes Gestrüpp schnell entstehen können.

Im Sommer hellt es etwas auf und bekommt deutlich erkennbare, gelbe Spitzen. Die Wolle fällt aus, wodurch die Tiere deutlich schlanker wirken. Bis der Fellwechsel abgeschlossen ist, vergehen zwei bis drei Monate.

Je nach Verbreitungsgebiet kann es zu deutlichen Unterschieden in der Färbung geben. So kann es zu honigfarbenem Fell mit fast weißen Haarspitzen oder dunkelbraunes Fell kommen, bei dem das arttypische Gelb kaum noch erkennbar ist.

Es wurden jedoch auch schon Tiere mit verschiedenen Fellfarben am selben Ort gesichtet.
Bei der Geburt ist das Fell der Wildsauseos hell- bis mittelbraun und wird durch Längsstreifen in kräftigem Gelb unterbrochen. Diese verlaufen von den Schulterblättern bis zu den Hinterbeinen und treten in unterschiedlicher Anzahl, meist zwischen vier und acht, auf. Außerdem haben die Tiere auf den Beinen und der Bauchpartie Flecken und Punkte in derselben Farbe, deren Muster in Individualität einem Fingerabdruck nahekommt. Ob Wildsauseos diese äußerlichen Merkmale ihrer Frischlinge nutzen, um sie zu identifizieren, ist nicht bekannt. Ihr lateinischer Name lässt zwar darauf schließen, viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Tiere dafür ihren feinen Geruchssinn nutzen.

Die Deckhaare der Jungtiere sind noch deutlich weicher und können kaum als Borsten bezeichnet werden. Sie halten Wasser noch nicht so gut ab, wie das Fell der erwachsenen Tiere, wodurch die Jungen bei Regen Gefahr laufen, an Unterkühlung zu sterben. Kühles und feuchtes Wetter während und kurz nach der Wurfzeit stellen daher eine Gefahr für den Nachwuchs dar.

Frischlinge der Wildsauseo
Frischlinge der Wildsauseo suchen nach Futter. In dieser Größe trinken sie aber auch noch viel Muttermilch

Der Schwanz der Wildsauseos ist recht kurz mit langem, borstigen Behang am Ende, der meist eine ähnliche Färbung aufweist, wie der Rückenkamm. Er ist außerdem sehr gut beweglich und wird von den Tieren genutzt, um ihre Stimmung anzuzeigen. Ein zufriedenes Tier lässt seinen Schwanz hin und her schwingen, während er bei angespannten Tieren steif wird oder kräftig zu beiden Seiten schlägt.
Das Gebiss des Wildsauseos besitzt 44 Zähne, die sich in drei Schneidezähne, einen Eckzahn, vier Prämolaren und drei Molaren je Kieferhälfte. Die beiden letzten bezeichnen die sich in ihrer Größe unterscheidenden Backenzähne. Die Eckzähne des Unterkiefers werden auch Hauer genannt und können vor allem bei Keilern sehr lang werden. Bis zu einem halben Meter können die Zähne lang werden und ragen somit deutlich aus dem Maul hervor. Lediglich die ersten 10 bis 15 cm sind versteckt durch Kiefer und Lippen. Die Eckzähne des Oberkiefers werden bei Keilern ebenfalls etwas länger, erreichen jedoch nur eine Größe von höchstens 20 cm und stehen damit kaum aus dem Maul hervor.
Weibliche Tiere besitzen nur geringfügig ausgeprägte Eckzähne, die nur selten über die Lippen herausragen.

Die Sinne des Wildsauseos

Die Augen des Wildsauseos funktionieren am besten bei Dämmerlicht. Mitten am Tag oder bei Nacht können die Tiere deutlich weniger visuell wahrnehmen und verlassen sich eher auf ihre anderen Sinne.

Ihre Ohren sind sehr feinfühlig. Allerdings scheint den Tieren teilweise die Fähigkeit zu fehlen, tatsächliche Gefahrenquellen von normalen Umweltgeräuschen zu unterscheiden. So kommt es bei herabfallenden Ästen in ihrer Nähe häufig zu plötzlichen Fluchtmanövern, was ebenfalls erklärt, wieso Menschen so selten auf die großen Tiere treffen.

Der beste Sinn der Wildsauseos ist mit Abstand ihr Geruchssinn. Sie sind in der Lage, Futter durch bis zu einem Meter Erde zu wittern und genau zu lokalisieren. Dabei ist es egal, ob es sich dabei um Wurzeln, Würmer oder kleine Säugetiere handelt. Auch sich bewegende Futtertiere stellen kein Hindernis für ihre Nase dar. Selbst im Winter erschnüffeln sie ihre Nahrung durch Schnee und den darunter gefrorenen Boden und sind in der Lage, diesen aufzubrechen, um an ihre Mahlzeit zu kommen.

Verbreitung

Wildsauseos besiedelte vor vier Jahrhunderten gesamt Europa sowie einige Teilen Asiens. Vor allem in den kalten Tundragebieten Russlands trifft man es noch heute häufig an.

Wildsauseo-Rotte im Tundragebiet in Russland
Wildsauseo-Rotte im Tundragebiet in Russland

Die immer dichtere Besiedlung nahm den Tieren in einigen Gebieten seinen Lebensraum, sodass es dort nach und nach verschwand. Auch stärkere Bejagung trug einen Teil dazu bei. Anfang des 19. Jahrhunderts war das Wildsauseo aus Südwesteuropa, wo es schon zuvor wenig verbreitet war, verschwunden. Wenige Jahre darauf war es auch in Deutschland, Dänemark und den übrigen Nachbarländern nicht, bzw. kaum noch anzutreffen. Sein Verbreitungsgebiet verkleinerte sich in den darauf folgenden Jahren weiter, sodass es direkt auf der ersten Roten Liste gefährdeter Tierarten als gefährdet und kurzzeitig sogar als vom Aussterben bedroht galt. Das Selten werden dieses Tieres hat nicht zuletzt dazu beigetragen, dass sich eine Reihe von Mythen und Legenden um das Wildsauseo ranken.

Wildsauseo-Bache mit Frischlingen
Wildsauseo-Bache mit Frischlingen

Seit 25 Jahren steigt die Population der Wildsauseos jedoch wieder. In manchen Gebieten sogar so stark, dass sich die Tiere vermehrt in Siedlungen verirren. Warme Sommer mit Trockenperioden haben die Sterblichkeitsrate der Frischlinge positiv beeinflusst, sodass sich die Bestände schnell erholen konnten. Die Tiere veränderten erneut ihr Verbreitungsgebiet und kamen in Länder zurück, aus denen sie zuvor teilweise für mehrere Jahrhunderte verdrängt worden waren.

Rückkehr nach Deutschland

Das erste Wildsauseo wurde am 8. März 2019 an der Tschechisch-Deutschen Grenze nahe Chemnitz gesichtet. Kurz darauf fand man Spuren einer Gruppe mit mehreren Jungtieren sowie Haarbüschel mit den typischen goldgelben Spitzen. Zunächst war der Aufschrei der Bevölkerung ähnlich groß wie einige Jahre zuvor, als zum ersten Mal seit vielen Jahren ein Bär in Deutschland gesehen wurde. Um die weitere Verbreitung der Tiere zu dokumentieren, wurden ihnen GPS-Chips implantiert. Diese beruhigten auch die Bevölkerung, da aus ihnen hervorging, dass die Wildsauseos hauptsächlich in bewaldeten Gebieten bleiben. Auch beim Aufeinandertreffen mit Menschen wurde stets berichtet, die Tiere seien schnell geflüchtet und zeigten kein aggressives Verhalten. Dennoch wurden in den Verbreitungsgebieten der Wildsauseos Schilder angebracht, die vor dem Betreten des Waldes, vor allem während der Aufzuchtzeiten der Frischlinge, warnt.

Ernährung und Lebensweise

Wildsauseos sind Allesfresser. Um ihren großen, massigen Körper ausreichend mit Energie versorgen zu können, müssen sie um die 60 kg Nahrung pro Tag zu sich nehmen. Tragende Bachen brauchen noch mal etwa ein Fünftel mehr.

Ein Großteil der Nahrung ist vegetarische Kost. Wildsauseos fressen Samen, Nüsse, Blätter, junge Triebe und Früchte von Sträuchern und Bäumen. Sie grasen außerdem auf Wiesen Klee und Süßgräser ab und verschmähen auch abgeworfenes Laub von Eichen- und Ahornbäumen nicht.
Durch ihre Fähigkeit, im Boden nach Nahrung zu suchen, indem sie diesen regelrecht umpflügen, können sie auch Wurzeln zu ihrem Speiseplan zählen. Aber auch fleischliche Kost, auch die, die beispielsweise dabei zum Vorschein kommt, wird von ihnen dankend angenommen. Maden, Würmer, ganze Ameisenhaufen und Mäusenester vertilgen sie ebenso gern. Auch Nester von am Boden oder in Bodennähe brütenden Vögeln fallen ihnen regelmäßig zum Opfer. Außerdem graben sie vor allem im Winter häufig sich in Kältestarre befindende Eidechsen und andere Reptilien aus.

Zwar eignen sich Wildsauseos durch ihre, im Verhältnis zu ihrem Körper, kurzen, stämmigen Beine nicht, um besonders erfolgreich Jagd auf andere Säugetiere zu machen, jedoch gibt es Belege dafür, dass Tiere dieser Art sich zu Jagdgemeinschaften zusammengeschlossen haben, um verwundete oder kranke Rehe und ihren nächsten Verwandten, die Wildschweine, zu erlegen.
Als Allesfresser vertilgen Wildsauseos auch Abfälle und Tierkadaver. Dadurch säubern sie ihren Lebensraum zusätzlich.

Die Tiere sind hauptsächlich dämmerungsaktiv und ruhen die restliche Zeit des Tages hauptsächlich. Dieses Ruhen findet an sogenannten Kesseln statt, Ruheplätze, die regelmäßig von denselben Wildsauseos genutzt werden. Wenn sie ruhen, legen sie sich meist in flache Erdvertiefungen auf die Seite und strecken die Beine von sich. In dieser Haltung dösen sie vor allem während heißer Sommertage vor sich hin, ehe sie, wenn die Luft eine angenehmere Temperatur angenommen hat, erneut auf Futtersuche gehen.

Das Suhlen ist, wie bei den Wildschweinen, ein wichtiger Bestandteil der Lebensweise der Wildsauseos. Dafür wälzen die Tiere sich in Schlamm und feuchter Erde, bis sie völlig damit bedeckt sind. Während der darauf folgenden Ruhephase trocknet der Schlamm und bröckelt später von selbst ab oder wird durch ausgiebiges Scheuern an Bäumen, Steinen und Baumstümpfen wieder abgetragen. Dieses ausgedehnte Scheuern führen die Tiere auch häufig ohne ein zuvor abgehaltenes Schlammbad durch. Aufgrund ihres kurzen, recht unbeweglichen Halses ist es Wildsauseos nicht möglich, sich selbst zu kratzen oder von Parasiten zu befreien, indem sie ihren Körper benagen oder mit den Hauern abschürfen. Die trocknenden Schlammbäder helfen ihnen bei der Körperpflege. Mit dem Schlamm bröckeln auch lästige Parasiten, tote Hautzellen und ausgefallene Haare ab. Das bloße Scheuern hat einen ähnlichen, wenn auch nicht ganz so lohnenden Effekt.
Wildsauseos leben in losen Gruppen von nicht mehr als fünf Tieren zusammen. Nur Bachen bilden diese Gruppen. Keiler bleiben Einzelgänger und kommen nur zur Paarungszeit mit den Weibchen zusammen.

Diese Gruppen zeigen ein hoch soziales Verhalten untereinander. So wurde beobachtet, wie die Tiere Fellpflege betreiben. Dabei sucht ein Tier das Fell eines anderen nach Insekten ab und schleckt diese mit der langen, gut beweglichen Zunge heraus. Das behandelte Tier revanchiert sich in der Regel.
Auch bei gemeinsamen Schlammbädern helfen sie sich gegenseitig, den ganzen Körper mit Schlamm zu bedecken und wechseln sich an den besten Scheuerbäumen und -steinen ab. Nur durch dieses soziale Verhalten untereinander ist es möglich, dass Wildsauseos auch gemeinsam auf die Jagd gehen.
Dennoch gibt es auch in diesen friedlichen erscheinenden Verbänden eine klare Rangordnung, die von allen Tieren akzeptiert werden muss. Geschieht dies nicht und macht eine Bache einer ranghöheren den Platz streitig, kommt es auch unter Weibchen mitunter zu blutigen Rangkämpfen, die sogar im Tod eines Tieres enden können.

Männchen und Weibchen besitzen lediglich lose Reviere, die sie ständig auf der Suche nach Futter durchkämmen. Treffen dabei weibliche auf männliche Tiere, kommt es nur in seltenen Fällen, vor allem wenn sich Jungtiere bei dem oder den Weibchen befinden, zu körperlichen Auseinandersetzungen und Verletzungen. Meistens reichen laute Warnrufe, damit der Keiler sich wieder entfernt. Treffen zwei Keiler aufeinander, kommt es deutlich häufiger zu Revierkämpfen. Die langen Hauer der männlichen Wildsauseos können dem Gegner dabei schlimme Verletzungen zufügen, die nicht selten zum Tod führen. Die Keiler versuchen dafür, ihre langen Eckzähne von unten mit einer kräftigen, senkrechten Bewegung in den Hals des gegnerischen Tieres zu rammen. Auch Bisse in den empfindlichen Rüssel kommen dabei regelmäßig vor. Unterlegene Tiere müssen fliehen, da ein sich im Revierkampf befindender Keiler in eine Art Rage kämpfen kann und über den Tod des Gegners hinaus diesen noch eine Zeit lang attackiert. Gelingt die Flucht nicht, werden die getöteten Tiere vom Sieger in der Regel verspeist.

Um ihre Reviere zu markieren, nutzen die Keiler nicht nur Duftstoffe, die sie vor allem am Rand des Gebiets versprühen. Sie verwenden zusätzlich ihre Hauer, um Rinde von Bäumen zu schaben, wodurch für Konkurrenten ersichtlich wird, wo ihr Revier beginnt.
In der Regel verhalten sich Keiler der Wildsauseos nur gegenüber gleichgeschlechtlichen Artgenossen so territorial. Andere Tiere und auch Menschen, die in ihr Revier eindringen, werden in den allermeisten Fällen ignoriert oder gemieden.

Wildsauseos können über extrem lange Strecken laufen. Sie legen dabei etwa zehn Kilometer in der Stunde zurück und halten dieses Tempo über Stunden hinweg. Sprinten sie, beispielsweise wenn sie plötzlich aufgescheucht werden, können sie deutlich schneller werden. Ihre kurzen Beine eignen sich jedoch nicht dafür, länger so schnell zu laufen, sodass sie auch bei einer Flucht nur kurz im Galopp rennen, ehe sie wieder in den Trab fallen. Bei einem einzigen Galoppsprung kann ein Wildsauseo bis zu drei Meter zurücklegen.

Wildsauseo-Zeichnung aus dem Mittelalter
Wildsauseo-Zeichnung aus dem Mittelalter

Des Weiteren sind Wildsauseos sehr gute Schwimmer. Auch in diesem Element können sie weite Strecken überwinden. So gibt es Aufzeichungen aus dem Frühmittelalter, aus denen hervorgeht, dass Wildsauseos die britischen Inseln besiedelt hätten, indem sie die Straße von Dover passiert hätten. Beweise, dass dies wirklich passiert ist, gibt es jedoch nicht. Aber selbst wenn ihnen die Besiedlung von Groß Britannien bis heute nicht gelungen ist, gibt es dennoch Videos, die ihre hervorragenden Schwimmfähigkeiten zeigen.

Fortpflanzung und Lebenserwartung

Weibliche Wildsauseos sind im zweiten Lebensjahr mit etwa einem Jahr und acht Monaten und somit pünktlich zur Paarungszeit, geschlechtsreif, Keiler brauchen zumeist ein Jahr länger.
Abhängig vom Klima beginnt die Paarungszeit mitteleuropäischen Verbreitungsgebiet der Wildsauseos bereits im November und hält bis Januar an. Da Keiler das ganze Jahr über fruchtbar sind, wird der Paarungszeitpunkt von den Bachen ausgesucht und kann auch mal von der normalen Paarungszeit abweichen. Dies ist vor allem bei einem Nahrungsüberangebot zu erwarten, wodurch die Tiere schneller geschlechtsreif werden. Auch Bachen, die bereits trächtig waren, den gesamten Wurf jedoch verloren haben, können in dieser Zeit ebenfalls erneut paarungsbereit sein.

Zu Körperkontakt zwischen den beiden Geschlechtern kommt es ausschließlich in der Paarungszeit (mit Ausnahme von Abwehrversuchen durch penetrante Werber außerhalb dieser). Ist die Bache paarungsbereit oder zumindest auf dem Weg zur Paarungsbereitschaft, lässt sie zu, dass der Keiler ihre Genitalregion beriecht. Der Keiler beginnt daraufhin damit, dem Weibchen mit der Schnauze gegen den Bauch, die Flanken und Halsunterseite zu stoßen und tiefe Grunzlaute von sich zu geben. Zusätzlich kann er die Bache umkreisen, um so leichter immer wieder Körperkontakt zu ihr aufbauen zu können.
Lässt die Bache dies zu, kommt es meistens anschließend auch zur Paarung. Wenn sie nicht kopulieren möchte, hilft es ihr häufig nur, sich hinzusetzen, um den Keiler loszuwerden. Reicht auch dieses Signal nicht aus, kommt die Rotte, sofern die Bache sich in einer befindet, zur Hilfe und vertreibt den Werber gemeinsam. Ist keine Rotte da, um zu helfen, muss die Bache so lange sitzen bleiben und durch hohe Quietschgeräusche deutlich machen, dass sie nicht in Stimmung ist. Zu gewaltsamen Kopulationsversuchen kommt es so gut wie nie. In aller Regel geben Keiler ihr Werben nach einer Zeit auf, wenn es nicht mehr lohnenswert erscheint.

Dieses Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht, ist so anders, als während der übrigen Jahreszeiten, da eine trächtige Bache oder eine mit Nachwuchs, deutlich eher bereit ist, sich selbst in Gefahr zu bringen, um ihre Jungen zu schützen. Da während der Paarungszeit in aller Regel keine Jungtiere verteidigt werden müssen, lässt die Bache sich in dieser Zeit mehr gefallen.
Die Paarung beginnt, indem das Weibchen die Hinterbeine spreizt und durchgedrückt schräg nach hinten stellt. Ihren kurzen Schwanz dreht sie zur Seite, um ihn aus dem Weg zu nehmen. Der Keiler springt daraufhin auf und legt seinen Kopf auf ihrem Rücken ab. So verweilen die Tiere mehrere Minuten, ehe der Keiler wieder abspringt und für gewöhnlich ohne weitere Annäherungsversuche wieder geht. Je nach Keilerangebot kann die Bache in einer einzigen Paarungszeit bis zu zehn Mal kopulieren. Sind weniger Keiler in der Nähe, kann es auch bei einem Paarungsversuch bleiben.

In dieser Zeit verlaufen die Kämpfe zwischen den Männchen deutlich schneller blutig. Wenn zwei Keiler bei einer paarungswilligen Bache aufeinandertreffen, wird meist nur kurz durch Aufstellen des Rückenkamms, mit seinen leuchtend gelben Borsten, und aufeinander Schlagen der Kiefer versucht, den jeweils anderen in die Flucht zu schlagen. Gelingt dies nicht, beginnt ein Kampf, ähnlich dem Revierkampf. Allerdings werden Kämpfe und paarungsbereite Weibchen deutlich erbitterter geführt, wobei es, sollte eines der Männchen zu Tode kommen, nicht direkt als Nahrungsquelle dient. Meist überlässt das Männchen nach der Kopulation dem Weibchen den Kadaver. Selten wird beobachtet, wie beide daran fressen.

Wildsauseo-Frischling kurz nach der Geburt.
Die Wildsauseo-Frischlinge sind kurz nach der Geburt noch sehr dunkel, die gelbliche-bräunliche Färbung kommt erst im Verlauf.

Da die Paarungszeit mit der Zeit des Winterfells übereinstimmt, schützt diese dichte Unterwolle die Keiler etwas vor den Hauern des Gegners. Zusätzlich besitzen sie am Hals eine Bindegewebsverdickung, die die gefährlichen Stöße abfangen kann, wodurch es an dieser Stelle möglicherweise nur zu oberflächlichen Verletzungen kommt. Dieser Schutz hilft jedoch nicht immer. Keiler sind in der Lage, mit enormer Kraft zuzuschlagen und ihre Hauer bis zum Anschlag in den Körper ihres Gegners zu rammen. Das Bindegewebeschild hält meist nur die ersten, sanfteren Schläge ab.
Nach etwa vier Monaten bringt die Bache drei bis sechs Frischlinge zur Welt. Diese besitzen bereits Fell und haben geöffnete Augen und Ohren. Sie wiegen meist zwischen 1000 und 1500 g und suchen nur wenige Minuten nach der Geburt nach den Zitzen der Mutter.

Diese zieht sich zur Geburt an einen sonnigen Platz zurück, den die mit Gras und Laub auspolstert und eine Art Dach darüber errichtet, um ihr Nest vor Regen zu schützen. In diesem Nest verbleibt das Weibchen mit den Jungen bis zu einem Monat, ehe die Familie es gemeinsam verlässt. So kann die Bache ihren Nachwuchs wärmen, da diese vor allem im ersten Lebensmonat nur über eine schlechte Wärmeregulation verfügen und schon bei kurzen Kälteeinbrüchen Gefahr laufen, zu erfrieren.
Erst dann erfolgt eine Rückkehr in die zuvor verlassene Gruppe.

Meist überleben drei von vier Jungtieren das erste Lebensjahr. Diese Statistik gilt jedoch nur, wenn sich in dem Gebiet keine Wölfe oder Bären befinden, welche Jagd auf die jungen Wildsauseos machen. Zwar verteidigt eine Bache ihren Nachwuchs mit Einsatz ihres Lebens und auch die Rotte steht ihr dabei zur Seite, allerdings kommt es vor allem bei plötzlicher Flucht zu Situationen, die für Raubtiere günstig sind. Es bleibt ihnen ein knappes Zeitfenster, in denen es möglich ist, ein Jungtier zu erbeuten, ohne dass die Mutter mitbekommt. Bemerkt sie, dass eines fehlt, ist es meistens schon zu spät.
In solchen Gebieten überleben deutlich weniger Frischlinge. Häufig ist es nur einer von dreien, meistens nicht mehr als die Hälfte eines Wurfs.

Die Säugezeit beträgt drei bis vier Monate. Nach einem bis eineinhalb Jahren, was entscheidend vom Futterangebot beeinflusst wird, trennen die Frischlinge sich von der Mutter. Junge Bachen knüpfen schon in dieser Zeit Bande untereinander, die zum Zusammenfinden in einer Rotte führt. Meistens werden sie aus Schwestern und Jungtieren der Mutterrotte gebildet.

Befinden die Tiere sich in Gebieten ohne Fressfeinde, können sie bis zu zehn Jahre alt werden. In Gefangenschaft werden Wildsauseos deutlich älter. 20 Jahre ist hier keine Seltenheit.
Aber auch ohne Raubtiere in der Nähe werden Wildsauseos häufig nur vier bis sechs Jahre alt. Sie fallen Krankheiten oder Nahrungsmangel durch ungünstige Wetterbedingungen oder durch den Verlust ihres Lebensraums zum Opfer. Ob Wildsauseos die afrikanische Schweinepest wie ihre nahen Verwandten, die Wildschweine, übertragen können, ist noch nicht eindeutig geklärt. In ihren Verbreitungsgebieten treten zwar seit 2015 Fälle der Krankheit in Osteuropa auf, doch sind dort auch die sicheren Überträger heimisch. Trichinen können sie jedoch auch übertragen. Außerdem sind sie anfällig für Hepatitis-E und Tuberkulose.

Nutzen und Gefahr für die Umwelt

Wildsauseos lockern durch ihr Verhalten den Boden auf und graben ihn um. Das hat viele Vorteile für heimische Pflanzen und andere Tiere, die in der umgepflügten Erde einfacher nach Futter suchen können, welches das Wildsauseo übersehen hat. Gleichzeitig stellt ihr Kot einen guten Dünger für viele Pflanzen dar. Manche Samen, die das Wildsauseo frisst, kann es nicht komplett verdauen und scheidet sie wieder aus. Die Samen bleiben dadurch keimfähig und finden in dem Kot ein reiches Nährstoffangebot, das ihnen das Wachstum erleichtert.

Als Allesfresser, die auch Aas nicht verschmähen, sorgen die Tiere außerdem dafür, dass die Wälder gesäubert werden. So vertilgen sie Tierkadaver sehr schnell, welche ansonsten nur langsam durch Mikroorganismen und Insekten zersetzt werden würden.

Des Weiteren fressen sie Schädlinge in großen Mengen und verringern dadurch ihre Population.
Da Wildsauseos eine recht geringe Lebenserwartung haben und ihre Würfe nur wenige Jungtiere umfassen, ist eine Überbevölkerung durch sie in einem Gebiet sehr unwahrscheinlich. Die Tiere würden ihren Bestand selbst durch das geringere Nahrungsangebot regulieren und so ein Kahlfressen von Wiesen vermeiden oder in andere Gebiete abwandern. Dies wird jedoch nicht immer erreicht.
Vor allem in Gegenden, wo Futter für Wild ausgelegt wird oder Abfälle durch Menschen in ihr Verbreitungsgebiet geraten, kann ihr Bestand aus dem Gleichgewicht geraten. Hält dieser Umstand mehrere Jahre etwa im gleichen Umfang an und hört dann plötzlich auf, begrenzen Wildsauseos die Ausbreitung ihres Waldes, indem sie alle jungen Bäume abfressen und auch die alten durch Abnagen der Rinde schädigen. Aus Asien sind einige Fälle bekannt, in denen Wildsauseos aus diesem Grund bejagt wurden, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt als gefährdet eingestuft waren. Auch das Umgraben des Bodens kann negative Folgen haben. Graben die Tiere zu tief und schädigen die Wurzeln umliegender Bäume zu stark, sterben diese ab, wodurch der Wald ebenfalls schrumpfen kann.
Insgesamt ist ihr Nutzen für die Umwelt jedoch größer als die Gefahren, die von den Wildsauseos ausgehen.

Gefährdung für und durch den Menschen

Gerade während der Paarungszeit oder im Frühjahr, wenn die Bachen geworfen haben, kann es zu ernsten Verletzungen kommen, wenn Menschen einem Wildsauseo begegnen. Steht man einem Tier gegenüber, sollte man langsam rückwärts gehen und es nicht durch laute Geräusche oder hektische Bewegungen zusätzlich reizen. Normalerweise reicht dies aus, um einem Angriff zu entgehen.
Gelingt dies nicht, ist die Flucht die einzige Möglichkeit. Da Wildsauseos nur kurze Strecken sprinten können und auch nicht besonders schnell sind, kann diese gelingen. Befindet man sich allerdings auf unwegsamen Gelände abseits der Waldwege, hat das Tier einen Heimvorteil. Das Entkommen auf einen Baum ist eine weitere Möglichkeit, dem Wildsauseo zu entgehen. Die Tiere können nicht klettern und ihr unbeweglicher Hals schränkt ihr Sehvermögen nach oben so sehr ein, dass sie schneller das Interesse verlieren und sich zurückziehen. Durch ihre Schulterhöhe von bis zu zwei Metern kann es jedoch schwierig werden, einen geeigneten Baum zu finden und diesen außerdem schnellstmöglich so weit hochzuklettern, dass man außer Reichweite der Zähne kommt. Zwar haben Bachen keine ausgeprägten Hauer, mit denen sie Menschen verletzen könnten, aber auch ihre Zähne können zu schlimmen Verletzungen führen.

Wildsauseos lassen sich in Rage leicht ablenken. Personen, die ein Zusammentreffen mit Bachen und ihrem Nachwuchs unbeschadet überlebt haben, gaben teilweise an, sie hätten Jacken, Hüte oder andere größere Gegenstände beiseite geworfen, als das Tier auf sie zugestürmt kam, woraufhin es sich diesen zugewandt hätte und die Person fliehen konnte.

Nicht nur durch körperliche Auseinandersetzungen können Wildsauseos dem Menschen schaden. Auch durch das Zerstören von Feldern, die angrenzend an Wälder angelegt sind, gehen Bauern jährlich Einnahmen in extremen Höhen verloren. Dies kommt vor allem vor, wenn Eichen und andere Futterpflanzen der Wildsauseos wenige Früchte tragen und sie somit gezwungen sind, ihren geschützten Wald auf Nahrungssuche zu verlassen.
Dabei fressen sie die Felder nahezu leer. Vor allem Mais kann in ausreichenden Mengen dafür sorgen, dass Jungtiere schnell wachsen und Bachen dadurch außerhalb der eigentlichen Paarungszeit erneut empfängnisbereit werden.

Auch vor Viehherden machen Wildsauseos nicht halt. In Jagdgemeinschaften dringen sie in Weiden ein und erlegen vorzugsweise Schafe. Vereinzelt legen sie sich auch mit Kühen an, weil sie die Kälber als Jagdbeute sehen.

Schutzzäune um die Felder und Weiden halten die Tiere kaum ab. Mit akustischen Signalen konnten teilweise Erfolge erzielt werden. Diese müssen jedoch rund um das Feld angebracht werden, um eine lohnenswerte Wirkung zu zeigen, was eine so hohe finanzielle Belastung darstellt, dass die meisten Landwirte es sich nicht leisten können.

Wildsauseo-Ziel für die Jagttrainings
Im Mittelalter wurden die Bogenschützen an solchen Zielen ausgebildet, um mit Pfeil und Bogen direkt das Herz zu treffen. Mit Schüssen in andere Bereiche erlegte man solche Tiere kaum.

Andersrum ist es unbestreitbar, dass auch der Mensch zur Gefahr für das Wildsauseo werden kann. So hatte er es schon einmal so stark bejagt, dass es kurz vor der Ausrottung stand. Dabei gibt es unterschiedliche Gründe für die Jagd durch den Menschen.

Das Fleisch eines Wildsauseos gilt als wohlschmeckend und nur mit leichter Wildnote, wodurch es durch eine breitere Masse genossen wird. Es muss jedoch vor der Weiterverarbeitung einem Trichinentest unterzogen werden, da Wildsauseos diese Krankheit übertragen können und sie beim Menschen mitunter tödlich verlaufen kann. Die dichte Unterwolle des Winterfells wird aufbereitet als Füllstoff für Kissen und Decken genutzt. Vor allem die dicken, langen Borsten des Rückenkamms, die in verschiedenen Gelbtönen bis hin zu strahlendem Weiß vorkommen, finden in Kunst und Handwerk Verwendung. Die riesigen Hauer der Keiler waren früher ein Symbol für Mut und Männlichkeit und wurden mit Stolz an Wände gehängt oder zu Waffen geschnitzt. Die dicke Haut der Wildsauseos ergibt ein robustes Leder. Teile, die vom Menschen nicht verwertet werden, wie Ohren, Schnauze oder Füße, werden zu Tierfutter verarbeitet, klein gemahlen oder am Stück getrocknet und als Kauartikel für Hunde vertrieben.

Solange die Rote Liste gefährdeter Tierarten das Wildsauseo jedoch als gefährdet einstuft, darf es nur geschossen werden, wenn es eine Gefahr für den Menschen darstellt.

Das Wildsauseo als Jagdbeute für Raubtiere

Durch seine enorme Größe und die ausgeprägten Hauer der Keiler könnte man meinen, das Wildsauseo hätte keine natürlichen Feinde. Das stimmt jedoch nicht, bedenkt man, dass auch Elche und amerikanische Bisons von Wölfen erlegt werden können. Diese machen zwar am meisten auf Frischlinge und noch nicht ausgewachsene Tiere Jagd, aber auch ältere Bachen und oder verletzte und kranke Keiler fallen ihnen zum Opfer.

Größenvergleich der Wildsauseo mit einem Hirsch
Im Größenvergleich sieht man, dass die Wildsauseo etwa halb so groß wie ein ausgewachsener Hirsch ist.

Als Hetzjäger verfolgen Wölfe ihre Beute so lange, bis diese sichtlich erschöpft ist. Da von Bachen durch ihre fehlenden Hauer ohnehin eine deutlich geringere Gefahr ausgeht, können diese dem Wolfsrudel nur wenig entgegensetzen und enden häufig als Jagdbeute.

Daneben zählen noch Bären, Tiger, Luchse und große Raubvögel zu ihren Fressfeinden. Auch Uhus wurden schon dabei beobachtet, wie sie von ihrer Familie getrennte Jungtiere attackiert und getötet haben. Größere Adler konnten dabei gefilmt werden, wie sie Wildsauseos in der Nähe von Klippen durch einen gezielten Angriff diese hinunterstürzen und auf diese Weise töten oder so schwer verletzten, dass sie keine Gefahr mehr für den Raubvogel darstellen.

Abgerichtete Wildsauseos

Kurzzeitig wurde versucht, Wildsauseos so ähnlich wie ihre Verwandten, die Wildschweinen, zur Trüffelsuche zu benutzen. Man versprach sich durch das tiefere Wühlen der Tiere, mehr der begehrten Pilze zu finden. Bedingt führte dies auch zum Erfolg, jedoch ließen sich Wildsauseos nicht so einfach mit Mais von ihrem Fund ablenken, sodass sie ihn häufig selbst verspeisten. Auch sind Wildsauseos nicht so einfach unter Kontrolle zu halten wie ihre kleineren Verwandten, weswegen dieses Vorhaben schnell wieder aufgegeben wurde.

Das Wildsauseo und das Daeodon

Das Daeodon ist ein ausgestorbener, schweineartiger Paarhufer, welcher in seiner Körpergröße dem heute lebenden Wildscheeinseo sehr nahe kommt. Dennoch sind die beiden Tiere nicht näher miteinander verwandt als das Daeodon und das Wildschwein. Bis auf die Größe haben Daeodon und Wildscheeinseo auch sowohl äußerlich als auch in ihrer Lebensweise nicht besonders viel gemeinsam.
Das Daeodon hatte keine Hauer und ein sehr kleines Gehirn in einem extrem massigen Schädel. Das Gehirn des Wildscheeinseo ist deutlich größer, weswegen man davon ausgehen kann, dass es auch intelligenter als sein Vorfahre ist.

Die Beine des Daeodon waren lang. Aller Wahrscheinlichkeit nach war es viel eher ein aktiver Jäger als das Wildscheeinseo heute. Dieses jagt zwar auch, aber deutlich seltener und durch seine geringe Geschwindigkeit auch weniger erfolgreich. Es sieht also so aus, als hätte das Daeodon sich von einem Raubtier zu einem Allesfresser entwickelt.

Es gibt außerdem keine Anhaltspunkte dafür, dass das Daeodon in der Erde nach Futter gewühlt oder in Rudeln gejagt hätte.
Ebenso ist das Wildscheeinseo nicht in Nordamerika beheimatet, wo Fossilien des Daeodons gefunden wurden.

Wildsauseos in der Kunst

In den 70er Jahren wurden Höhlenmalereien entdeckt, die auf den ersten Blick eine Wildschweinjagd zeigten. Nachdem die verwendeten Farben untersucht wurden, zeigte sich jedoch, dass speziell auf dem Rücken der abgebildeten Tiere ein Farbstoff verwendet worden war, der zum Zeitpunkt des Malens eine starke gelbe Färbung aufgewiesen haben muss. Im Laufe der Zeit blich diese aus und wurde eher bräunlich. Dies ist der erste Hinweis darauf, dass bereits vor über 20.000 Jahren durch Menschen Jagd auf Wildsauseos gemacht wurde. Ob diese mit Pfeil und Bogen oder durch angelegte Fallen erfolgte, müssen neue Funde erst belegen. Beides ist denkbar, wenn man jüngere Funde betrachtet, welche mit der Wildschweinjagd zu tun haben.

Auch in der mittelalterlichen Kunst wurden Wildsauseos gern als Zeichen für Tapferkeit eingesetzt. So gibt es mehrere Wappen verschiedener Königshäuser und anderer hoher Familien, die dieses Tier tragen. Auch Kleidungsstücke, welche die typischen gelben Rückenborsten als Verzierung tragen, wurden bereits gefunden.

Heutzutage existieren zudem noch Ortschaften mit Wappen, welche Wildsauseos zeigen und häufig das Wort „Eber“ oder eine abgewandelte Form davon im Namen tragen.

Mythen und Legenden

Die enorme Körpergröße und ihr seltenes Zusammentreffen mit dem Menschen haben dazu geführt, dass sich mit der Zeit einige Mythen um die Wildsauseos gerankt haben. So gibt es in der nordischen Mythologie ein Wildsauseo, welches den germanischen Gott Freyr begleitet. Dass es sich bei diesem Tier tatsächlich um ein Wildsauseo und nicht um ein einfaches Wildschwein handelt, ist an seinem Namen erkennbar: Gullinborsti – der mit den goldenen Borsten.

Bei den Kelten auf dem europäischen Festland war es Brauch, dass junge Männer ein Ritual abhielten, um ihren Mut unter Beweis zu stellen. Dafür scheuchten sie einen Wildsauseokeiler aus dem Wald und brachten ihn derart in Rage, dass er blind alles angriff, was sich bewegte. Wer dem Tier den tödlichen Stoß versetzte, galt fortan als besonders hoch angesehen. Auf den britischen Inseln und Anderorts, wo es nur Wildschweine gab, wurde dieser Brauch in abgeschwächter Form abgehalten.
Im asiatischen Bereich wird das Auftauchen eines Wildsauseos verschieden gedeutet. So stellt ein Keiler einen Geldsegen in Aussicht, während zwei einen nahen Krieg ankündigen. Bachen mit Nachwuchs werden als Fruchtbarkeitssymbol verstanden.

Ebenso kommt aus Asien die Legende eines auf Wildsauseos reitenden Nomadenvolkes. Auf alten Vasen und in Teppichstickereien finden sich zwar Hinweise, doch eindeutige Beweise für die Existenz eines solchen Volkes fehlen bis heute.

Der Kalydonische Eber, der in der griechischen Mythologie erwähnt wird, ist ebenfalls ein Wildsauseo. Die Jagd auf dieses Tier verläuft letztendlich zwar erfolgreich, doch durch einen daraufhin entbrennenden Streit töten sich einige der Jagdteilnehmer gegenseitig, wodurch den Wildsauseo etwas fluchähnliches anhaftet.

Wichtige Fachbegriffe der Jägersprache

  • Bache – weibliches Wildsauseo ab dem zweiten Lebensjahr, bis zum dritten auch „geringe Bache“ genannt
  • Basse – auch Hauptschwein genannt, alter, besonders starker Keiler
  • Blatt – Schulter
  • Borste – das grobe, harte Deckhaar
  • Bürzel – Schwanz
  • frischen – gebären
  • Gebräch – auf der Nahrungssuche durchwühlte Erde
  • Gewaff – die Eckzähne des Keilers
  • Haderer – Eckzähne des Oberkiefers eines Keilers
  • Haken – die Eckzähne der Bache
  • Hauer – Eckzähne des Unterkiefers eines Keilers
  • Keiler – männliches Wildsauseo ab dem zweiten Lebensjahr, bis zum dritten auch „geringer
  • Keiler“ genannt
  • Kessel – das Lager der Rotte
  • Malbaum – ein Baum in Suhlnähe, der von den Tieren zum Scheuern benutzt wird
  • Rauschzeit – Paarungszeit
  • Scheibe – Nase des Wildsauseos
  • Schwarze – Haus des Wildsauseos
  • Teller – Ohren des Wildsauseos
  • Überläuferbache – weibliches Tier unter zwei Jahre
  • Überläuferkeiler – männliches Tier unter zwei Jahre